Superhero Unit #09 – Darkman [1990]

Podcast weiß

Premiere! Zum ersten Mal haben wir einen komplett originellen Superhelden in der Sendung. Sam Raimis Darkman (Amazon-Link*) basiert nämlich auf keinem Comic, sondern entstammt komplett der Feder seines Regisseurs!

Natürlich ist der Raimi-Blickwinkel besonders spannend, weil sich hier schon eine Menge Andeutungen zu seinen späteren Spider-Man-Meisterwerken finden lassen. Raimi überrascht hier schon mit einem tiefen Verständnis für das Genre. Dennoch zählen wir diesen Streifen nur als Fußnote, wenn auch sehr bedeutend, hinzu. Warum erfahrt ihr in der Sendung.

In der nächsten Ausgabe widmen wir uns einem Meta-Kommentar auf Superheldenfilme: Die Teenage Mutant Ninja Turtles aus dem Jahre 1990 (Amazon-Link*) stehen dann nämlich auf dem Programm! Cowabunga!

Denkt dran, dass ihr dieses Projekt gerne unterstützen könnt! Details findet ihr hier.

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  • http://mateschrank.wordpress.com/ Dave vom Mateschrank

    Schöne Folge, hat mir wieder gefallen. Die Fortsetzungen habe ich mir auch nicht angeschaut, bin gespannt, was die interessierten Filmkucker dazu sagen werden. Ein Videospiel gab es zu dem Franchise übrigens auch noch dazu.

    Ist schon lustig, dass Danny Elfman sowohl für den kleinen Indy-Regisseur Raimi die Musik komponiert hat genau wie später dann auch für den großen Spiderman-Kinofilm des Big-6-Studios.

    Ich habe neulich erst ‘The Quick and the Dead’ (auf Deutsch ‘Schneller als der Tod’) gesehen und empfand den Film als einen eigenartigen Mix aus Comedy und Western. Die Entwicklung von Raimi ist schon sehr interessant.

    • http://www.enoughtalk.de jacker

      Ja, auf die gleiche Art wie er hier seinen Stil, der immer von einem absurden (oft aus stilistischer Überzeichnung generierten) Humor durchzogen ist, mit Horror verbunden hat, gelang ihm das mit dem schrägen Western auch ziemlich gut.

      Erinnere mich noch, dass die typischen Raimi-Zooms sich besonders gut mit Western vertragen haben, weil sie ja oft in Close-Ups enden.

  • Deekin

    So, die “Schnittmenge” meldet sich dann mal zu Wort:

    Wieder mal eine schöne kleine Diskussion über einen Film, den ich bereits seit meiner späten Jugend ins Herz geschlossen habe. Man merkt euch beiden an, dass ihr von DARKMAN durchaus positiv überrascht gewesen seid.

    Ich selbst war früher sehr großer Fan von Sam Raimi. EVIL DEAD war so ziemlich der erste bluttriefende Splatterfilm, den ich gesehen habe (und mir damals gehörig den Magen umgedreht hat), während ARMY OF DARKNESS einer der coolsten Filme meiner Jugend darstellte. Insofern habe ich mir irgendwann über den österreichischen Versand den damals (glaube ich) indizierten DARKMAN gekauft, den ich wohl auch heute noch als einen meiner Lieblingsfilme des Regisseurs angeben würde.

    Als ich damals SPIDER-MAN 2 im Kino gesehen habe, musste ich auch lächeln angesichts der Szene, in welcher eine Gruppe von Ärzten versucht, mit einer Säge die Arme von Dr. Oktopus abzutrennen. Der Close-Up auf die Säge, der zynische Witz einer der Doktoren sowie die gesamte Figur von Dr. Oktopus in seiner Höhle waren direkte Referenzen an Raimis frühere Werke und für Kenner seiner Filmographie natürlich eine charmante Anspielung. Ich würde allerdings widersprechen, dass man DARKMAN als eine Art Fingerübung sehen kann für seine späteren Spiderman-Filme. Es ist definitiv sein ganz eigenes Werk, aus dem Raimi schließlich Elemente, die passend sind und funktioniert haben, genommen hat, um sie in seine späteren Filme einzuarbeiten. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht abzusehen, dass er überhaupt einmal eine offizielle Comic-Adaption oder überhaupt einen riesigen Blockbuster drehen würde. (Darüber hinaus kann ich natürlich ganz unbefangen sagen, dass DARKMAN klar der bessere Film ist ;P).

    Zum Film selbst:
    Was mir bei meiner letzten SIchtung vor ein paar Monaten zum ersten Mal aufgefallen ist, war wie stark der Film sich an das alte Kino und Raimis persönlichen Vorlieben anlehnt. Dazu zählen, ähnlich wie bei Tim Burton, natürlich die frühen Monsterfilme der Universal-Studios (Phantom der Oper, Frankenstein, Der unsichtbare Mann etc.); einige EInstellungen insbesondere zu Beginn wirken zudem ein wenig wie Hitchcock oder zumindest sehr wie aus einem 60er-Jahre-Film. Besonders charmant fand ich während der Actionszenen im späteren Verlauf des Films allerdings die Nutzung alter Tricktechnik wie Rear-Screen-Projektionen (etwa wenn Westlake sich mit den Kranketten wie an einer Liane durch die Baugerüste schwingt). Das sieht heutzutage natürlich merklich billig aus, entfaltet allerdings seinen ganz eigenen B-Movie-Charme, insbesondere, wenn alle Nase lang älteren Filmen Tribut gezollt wird. Der sehr ausgeprägte visuelle Stil fasziniert mich auch aufgrund der sehr geschickten Szenenübergänge. Einmal wechselt eine Szene mit einer Computerdarstellung eines menschlichen Gesichts nahtlos zum Gesicht des eigentlichen Schauspielers. Solche geschmeidigen Übergänge gibt es immer wieder und erzeugen einen wunderbaren Fluss, der das Gesamtgeschsehen des Films für mich zügig und interessant gestaltet. Genau das mag ich.

    Inhaltlich habe ich den Film beim letzten Mal zunächst etwas irritierend, dann aber doch sehr interessant und unkonventionell wahrgenommen. So betreibt der Film seine Charakterentwicklung, indem er drei verschiedene Identitäten von Dr. Westlake zur Schau stellt: Das Monster, den Menschen sowie den Rächer (wenn man letzteres so sehen will). Als Monster hält er sich in den Ruinen seines Labors auf und versinkt in Selbstmitleid und Wut; die Farben sind dunkel und trist. Der Mensch bzw. sein früheres Ich, welches er nur für knapp 100 Minuten aufrecht erhalten kann, bildet das unerreichbare Idealbild, welches er anstrebt. In beiden Rollen merkt man ihm allerdings an, dass er sich dabei nicht recht wohl fühlt. Selbst wenn er die Maske seines früheren Selbst trägt und mit seiner Freundin spricht, ist Neesons Spiel stets etwas gekünstelt überschwänglich, so als würde er zwanghaft versuchen, diese verloren gegangene Normalität wieder einfangen zu wollen. In der Rolle als Rächer (als eigentlichen Superhelden) hingegen geht er förmlich auf und entwickelt im Laufe des Films eine diebische Freude daran, seinen Peinigern das Handwerk zu legen. Das ist die Rolle, die er final annimmt. Die Art, wie der Film das präsentiert, geschieht gefühlt deutlich anders, als man es von einem konventionelleren Film erwarten würde. (In BATMAN BEGINS etwa verfolgt man die Entwicklung von Bruce Wayne als ausführliche, Schritt-für-Schritt-Wandlung von machtlosen Milliadärsohn zum dunklen Rächer). Genau das allerdings gefällt mir an dem Film. Generell gefällt mir der tragische Ton des Films und die ruppige Düsterkeit doch einen Ticken mehr, weswegen die späteren SPIDERMAN-Filme bei mir leider hintenanstehen.

    Ob man den DARKMAN als Superhelden bezeichnen möchte oder nicht, ist natürlich eine spannende Frage. Wenn eine Voraussetzung ist, dass diese Helden aus einem altruistischen Motiv heraus handeln, dann muss man diese Frage jedoch auch stellen in bezug auf Figuren wie Batman oder dem Punisher, die vor allem durch die Erfahrung von persönlichem Verlust motiviert sind, Verbrechern das Handwerk zu legen. Helden wie diese fügen ja gerade der Figur eines Helden neue Facetten bei und dehnen den Begriff eines (Super-)Helden weiter aus bzw. rücken diesen in ein düsteres Licht.